Das Geld und die Literatur

Zeilenwert unterstützt 6. Internationale Hans-Fallada-Konferenz vom 15. bis 17. Juli

Die Werke Hans Falladas haben in den vergangenen Jahren eine enorme Renaissance erlebt. Zum einen ist das dem überraschenden Erfolg des Romans „Jeder stirbt für sich allein“ in Großbritannien und den USA zu verdanken, wo das Buch 2009 zum ersten Mal in englischer Übersetzung erschienen war. Zum anderen sind seine Themen in den Zeiten von Turbokapitalismus, Bankenpleiten und Wirtschaftskrisen so aktuell wie lange nicht mehr. „Aber raus aus der Tasche muss das Geld – soviel ist sicher“, fasste Fallada in seinem Roman „Wolf unter Wölfen“ lakonisch die Mechanismen der Geldwirtschaft zusammen. Und so lautet auch der Titel der 6. Internationalen Hans-Fallada-Konferenz vom 15. bis 17. Juli in Carwitz.

Zeilenwert unterstützt die Tagung finanziell – nicht zuletzt aus alter Verbundenheit zum Dichter. Falladas Leben hatte während eines Aufenthalts in Rudolstadt, wo sich auch der Sitz des Unternehmens befindet, eine entscheidende Wendung genommen. Der damals 18-jährige Rudolf Ditzen – so der bürgerliche Name des späteren Autors – hatte sich im Oktober 1911 zu einem als Duell getarnten Doppelselbstmord verabredet, bei dem er seinen besten Freund erschoss und selbst schwer verletzt überlebte.

„Wir haben als Dienstleister zwar nicht zwangsläufig mit Buchinhalten zu tun, trotzdem ist es uns wichtig, dass wir uns im kulturellen Bereich engagieren – soweit das die begrenzten Mittel eines Start-ups zulassen“, sagt Zeilenwert-Geschäftsführer Thorsten Schreiber. „Erst recht, wenn es wie während der Konferenz um Themen geht, die uns auch tagtäglich im Büro begegnen und mehr Aufmerksamkeit verdienen.“

So diskutieren etwa Literaturwissenschaftler, Kulturschaffende und Buchproduzenten an einem Abend der Tagung über die Frage „Was darf Literatur (heute) noch kosten?“ Falladas Werke drehen sich immer wieder um das Spannungsfeld zwischen dem Individuum und der anonymen Wirtschaftswelt – ein Thema, das z. B. in der Buchbranche aktueller denn je ist, wie etwa die derzeitigen Diskussionen um Amazon zeigen. „Es geht uns aber weniger um einfache Wahrheiten zur permanenten Krisenstimmung als um differenzierte Beiträge innerhalb einer unübersichtlichen Finanzlandschaft“, erklärt Mitorganisator Daniel Börner. Hier sei ein Blick auf die Krisenjahre um 1930 besonders interessant, als viele Romane – auch von Fallada – zu Fragen von Arbeitslosigkeit, Werteverlust und Abstiegsangst erschienen. „Um so mehr freut es uns über die Unterstützung durch Zeilenwert, denn ein Engagement für wissenschaftliche und kulturkritische Fragestellungen ist nicht selbstverständlich“, ergänzt Börner.

Die 6. Internationale Hans-Fallada-Konferenz findet vom 15. bis 17. Juli im Hans-Fallada-Museum in Carwitz statt. Nähere Informationen dazu hier: http://fallada.de/files/Fallada-Konferenz_2014_Faltblatt.pdf